Praktikumsberichte



Zwischen Raketenstarts und tropischem Regenwald verbringe ich mein Auslandshalbjahr in Kourou, Südamerika.
Guyana war einst eine französische Kolonie und ist heute ein französisches Überseegebiet sowie Teil der Europäischen Union. Seit zwei Monaten besuche ich hier ein Gymnasium und werde bis Februar bleiben. Mein Aufenthalt ist nicht über eine Organisation, sondern mit Unterstützung des Erasmus+ Programms organisiert. Ich habe mich für Französisch-Guyana entschieden, weil ich mein Französisch verbessern und gleichzeitig eine völlig neue Kultur und Umgebung kennenlernen wollte.
Das Klima ist überwiegend warm und sonnig – tagsüber etwa 32 °C, nachts selten unter 26 °C. Nur bei starkem Regen sinken die Temperaturen etwas.
Das Foto zeigt den Start einer Ariane 6 Rakete, den ich vom Strand aus beobachten konnte. Ein unvergesslicher Moment. Der Weltraumbahnhof Centre Spatial Guyanais (CSG) wird von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) betrieben. Beim Start der neuen Ariane 6 wurde der Copernicus Sentinel-1D-Satellit für das europäische Erdbeobachtungsprogramm ins All gebracht.
Nur wenige Kilometer entfernt von diesem Symbol des technischen Fortschritts befindet sich ein Ort mit düsterer Vergangenheit: die Îles du Salut. Auf diesen ehemaligen Strafkolonien lebten Gefangene unter extremen Bedingungen. Sie wurden körperlich und psychisch gefoltert. Unter ihnen auch der bekannte Offizier Alfred Dreyfus. Die Häftlinge litten unter der drückenden Hitze, gefährlichen Krankheiten und der völligen Isolation von der Außenwelt.
Heute sind die Îles du Salut ein Ort der Ruhe und zugleich ein Freilichtmuseum, das an diese dunkle Zeit erinnert. Ähnliche Straflager existierten auch in Saint-Laurent-du-Maroni und Cayenne, wo Frankreich über Jahrzehnte hinweg Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen festhielt. Neben Geschichte und Raumfahrt spielt auch die Natur eine wichtige Rolle in Französisch Guyana. Der amazonische Regenwald beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Wenn ich ihn sehe, rieche und höre, wird mir bewusst, warum ich mich für diesen Ort entschieden habe. Über Millionen von Jahren hat sich hier eine einzigartige Vielfalt an Tieren und Pflanzen entwickelt, wie sie sonst kaum irgendwo auf der Erde zu finden ist.
Johannes Q.
